Zucker hat Zukunft

8 Zukunfts-themen

Die neue Zuckerwelt

  • Nordzucker Mitarbeiter steht vor drei Silos (Foto)

    Die Zukunft im Blick

    Ab 2017 entfällt die ZMO. Doch wie geht es dann weiter? Wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft.

  • 2017 läuft die seit mehr als 45 Jahren bestehende Zuckermarktordnung aus.

Strategie

Hartwig Fuchs: „Nordzucker mit Weitsicht stärken“

Jahrzehntelang war sie Dreh- und Angelpunkt des Zuckermarkts in der Europäischen Union: die Zuckermarktordnung, kurz ZMO. Ende September 2017 läuft die ZMO in ihrer jetzigen Form aus; es wird dann keine mengenbeschränkende Quotenregelung mehr geben, keine bindenden Rübenmindestpreise und keine Exportbeschränkungen. Wie stellt sich Nordzucker diesen sich verändernden Marktbedingungen? Wie sieht der Markt in Zukunft aus? Und vor allem, welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für Nordzucker?

Wir haben Hartwig Fuchs, Vorstandsvorsitzender der Nordzucker AG, um seine Stellungnahme gebeten.

„Im europäischen Zuckermarkt wird sich in den kommenden Jahren einiges verändern. Der Wettbewerb wird sich verstärken, der Einfluss des Weltmarkts mit seinen deutlich schwankenden Zuckerpreisen wird steigen. Dieses Szenario übersetzt sich in die folgenden drei Entwicklungen: Zum einen wird es Regionen geben, in denen sich der Rübenanbau gegenüber anderen Ackerfrüchten – Weizen, Ölsaaten, Mais – nicht mehr durchgehend rechnet; zum zweiten werden dann kleinere Produzenten zunehmend Schwierigkeiten bekommen, weiterhin in ihre Wettbewerbsfähigkeit zu investieren; beide Trends sorgen für einen Rückgang der Zuckerproduktion in diesen Bereichen. Drittens wird es aber auch zu Produktionssteigerungen kommen – nämlich in Regionen, in denen in Europa Rübenanbau und Zuckerproduktion besonders wettbewerbsfähig sind. Unsere Wettbewerber werden die Auslastung ihrer Anlagen optimieren und damit für einen Zuckerüberschuss im europäischen Markt sorgen. Zudem wird die Produktionsmenge von Isoglukose in Europa nach 2017 steigen. Denn mit dem Wegfall der Quote für Zucker fällt auch die Quote für die Isoglukose. Da Isoglukose in manchen Produkten Zucker substituieren könnte, wird sie nach 2017 bei einigen Kunden im Wettbewerb mit Zucker stehen und das bevorstehende Überangebot im Markt noch verstärken. Gleichzeitig stagniert der Zuckerkonsum in Europa. Die erhöhte Produktion und das Angebot an Isoglukose werden Auswirkungen auf die Preisgestaltung haben. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Als einer der großen Produzenten in Europa haben wir allerdings eine gute Position, die wir nutzen werden. Für kleinere Unternehmen kann es aber richtig schwierig werden und eine neue Welle der Konsolidierung wird einsetzen.

Ein starkes Unternehmen muss wachsen

Der Wettbewerbsdruck steigt, der Preisdruck nimmt zu und gleichzeitig erwarten unsere Mitarbeiter steigende Löhne und Gehälter, Aktionäre eine attraktive Dividende und Rübenlieferanten ein angemessenes Rübengeld. Dies alles können wir nur bedienen und den Unternehmenswert weiter steigern, indem wir wachsen. Seit mehr als 175 Jahren ist die Erfolgsgeschichte von Nordzucker eng mit Wachstum zunächst in Norddeutschland und später in Europa verbunden. Und immer hat es Stimmen gegeben, nur kein Risiko einzugehen. Und keinesfalls Geld auszugeben. Selbst bei dem Erwerb von Nordic Sugar haben viele so gedacht. Aber ohne Risiko werden wir nicht wachsen können, und wenn unsere Vorgänger nicht wohlkalkulierte Risiken eingegangen wären, gäbe es die Nordzucker wahrscheinlich gar nicht. Um es noch einmal zu betonen: In Europa ist kein Wachstum im Markt zu erwarten, gleichzeitig wird der bestehende Zuckerverbrauch teilweise durch Isoglukose substituiert, und Wachstum durch Übernahmen sind wettbewerbsrechtlich ein schwieriges Unterfangen. Da nützt uns nur die kühle Analyse, wenn es um die Schlussfolgerung geht: Wir müssen unseren Aktionsradius über die europäischen Grenzen hinausziehen und künftig einen Teil unserer Erlöse außerhalb von Europa generieren, das ist die logische Konsequenz.

Afrika, Asien und der mittlere Osten sind die Wachstumsregionen der Zukunft, wenn es um Zucker geht. Mit kräftigem Bevölkerungswachstum sind sechs bis acht Prozent Wirtschaftswachstum pro Jahr für viele Länder in diesen Regionen prognostiziert. Und wirtschaftliche Entwicklung bedeutet immer auch einen höheren Lebensstandard, der sich zuallererst in der Ernährung spiegelt, und bedeutet damit auch höheren Zuckerkonsum. Hier ist Weitsicht gefordert und bei allem Sinn für Realitäten auch ein gutes Maß an Verantwortung und Courage, denn wir sprechen hier nicht über europäische Verhältnisse, die in den betreffenden Ländern herrschen. Wir haben uns – gemeinsam mit unserem Aufsichtsrat – klar dafür entschieden, intensiv Wachstumsoptionen außerhalb Europas, auch auf dem afrikanischen Kontinent, zu prüfen. Für unsere Zukunft ein wichtiger und richtiger Schritt.

Zahlen und Fakten zur ZMO

Inkrafttreten der Zuckermarktordnung: 1968

Rechtliche Grundlage: Verordnung Nr.1009/67/EWG

Inhalt: Quotenregelung und Rübenmindestpreis

Letzte grundlegende Reform: 2006 – 2009

Auslaufen der Zuckermarktordnung: 30.09.2017

Aktueller Anteil der Selbstversorgung der EU mit Zucker: 85 %

Der Schwerpunkt liegt auf regionaler Vermarktung

Wir werden jedoch nicht in andere Länder gehen, um dort Zucker für unseren europäischen Markt zu erzeugen. Unser Schwerpunkt war von jeher die regionale Vermarktung und die lokale Erzeugung von Zucker. Wir produzieren vor Ort, nah am Verbraucher. Wir wollen nachhaltig agieren, die Prozesskette kontrollieren und einen lokalen Markt bedienen. Wir werden mit Augenmaß investieren und dabei selbstverständlich internationale Corporate Social Responsibility Standards einhalten, also darauf achten, dass unsere Projekte in den Gemeinden sozial verankert sind. Alle unsere Werke, auch in Europa, liegen in ländlichen Regionen, wo wir ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Gemeinden, für die Landwirtschaft, für unsere Mitarbeiter und für zuliefernde Betriebe sind. Dies ist ein wichtiges Gut für uns. Weitergedacht gilt dieses Prinzip auch für zukünftige Aktivitäten in Afrika oder Asien. Wenn wir in Zukunft zum Beispiel in Afrika oder Indien Zucker aus Zuckerrohr produzieren, so liefern wir Wertschöpfung für das entsprechende Land, um vor Ort die Nachfrage zu bedienen, um vor Ort Infrastruktur zu schaffen und Arbeitskräfte zu gewinnen. Es geht darum, Zukunftsmärkte zu erschließen, die ein Wachstumspotenzial haben und die Kunden dort, mit vor Ort produziertem Zucker, zu versorgen. Unsere Aktivitäten außerhalb Europas werden definitiv keine Konkurrenz sein für die Rübe hierzulande. Und ja – natürlich wollen wir damit Geld verdienen und diese Gewinne auch wieder reinvestieren beziehungsweise an unsere Anteilseigner ausschütten.

16,9

Mio. t

Durchschnittliche jährliche Menge der Zuckerproduktion in der EU

Isoglukose ist für uns derzeit keine Alternative

In Isoglukose sehen wir derzeit keine Alternative zu lokal erzeugtem Zucker aus der Rübe. Nach 2017 wird die Produktionsmenge von Isoglukose in Europa steigen, denn dann entfällt auch die Quote für die Isoglukose. Aus meiner Sicht weist Isoglukose jedoch einige Nachteile gegenüber Rübenzucker auf, die uns davon abhalten, uns hier zu engagieren. Zunächst einmal basiert Isoglukose idealerweise auf Mais – und dieser Mais würde dann in Ungarn, Serbien, Rumänien oder Bulgarien angebaut. Größere Frachtkosten – entweder für den Rohstoff oder für das Produkt – wären die Folge, ganz abgesehen davon, dass mir damit der „regionale Ansatz“ im Produkt fehlt. Ein Prinzip, für das wir auch in Zukunft stehen werden. Natürlich kann man auch Weizen für die Isoglukoseproduktion nutzen; hier allerdings sehe ich ein moralisches Problem: Kann man es wirklich rechtfertigen, Brotgetreide in die Isoglukoseproduktion fließen zu lassen anstatt als Rohstoff in die Müllereien und Backstuben in Ägypten, Syrien, Irak oder ärmeren Ländern Afrikas, in denen chronische Unterernährung ein Problem ist? Für mich persönlich gesprochen kommt hinzu, dass ich den Geschmack von Isoglukose nicht mag.

Also: Nordzucker hat derzeit keine Planungen auf diesem Gebiet. Für mich ist dies im Hinblick auf Geschmack, Einsatzfähigkeit und nachhaltige Produktion im Vergleich zum Zucker absolut keine Alternative.

Wir müssen vom Markt her denken

Um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, gilt es, das Denken im Unternehmen zu ändern. Nordzucker wird ein markt- und kundenorientiertes Unternehmen. Dazu stellen wir die Prozesskette auf den Kopf und werden künftig noch stärker vom Kunden her denken. Mehr als 175 Jahre haben wir vom Rübenanbau und der Produktion aus gedacht, also wie viele Rüben haben wir, wie viel Werkskapazität betreiben wir, und wie viel Zucker können wir daraus produzieren. Die Frage heute lautet: Wie viel Zucker können wir zum Preis X verkaufen, wie viel davon können wir selbst produzieren und welche Fläche brauchen wir für diese Menge Rüben? Von Nordzucker wird mehr Flexibilität auch hinsichtlich der Erfüllung der Kundenwünsche erwartet; und zwar nicht nur was Mengen und Preise angeht. Wir müssen unseren Kunden einen Zusatznutzen geben: Verlässlichkeit, Transparenz und besonderen Service. Zudem arbeiten wir weiter an der Verbesserung von Effizienz und Produktivität. Unsere Chance ist, schneller effizienter und produktiver zu sein als unsere Mitbewerber.

  • Auch wenn wir in Zukunft zum Beispiel in Afrika Zucker aus Zuckerrohr produzieren sollten, so bleibt es bei unserer Strategie, lokal zu produzieren und regional zu vermarkten.

  • Hartwig Fuchs (Foto)

    Hartwig Fuchs bekennt sich klar zur Rübe und zur Region.

  • Gabelstapler fährt durch eine Lagerhalle (Foto)

    Schlanke Prozesse und eine ausgefeilte Logistik machen die Nordzucker fit für die Zukunft.

  • Innenaufnahme einer Zuckerfabrik (Foto)

    „Die regionale Herstellung ist traditionell eine Kernkompetenz bei Nordzucker.“

Nachhaltigkeit und Kundenbindung gehen Hand in Hand

Dabei spielen natürlich auch Kompetenzen eine Rolle, die wir über die Jahre kontinuierlich entwickelt und vorangetrieben haben. Unsere umfassenden Zertifizierungen und die praktisch lückenlose Dokumentation unserer Produktionsprozesse zum Beispiel. Gerade in Zeiten, in denen die Verbraucher Transparenz vom Acker bis zum Schokoriegel erwarten, ist dies ein Pfund, mit dem Nordzucker wuchern kann. Unsere Kunden und die Verbraucher erwarten einen Nachweis der Herstellungsbedingungen von der Aussaat bis zum fertigen Zucker aus regionaler Herstellung. Und das können wir ohne Wenn und Aber bieten. Vor Ort Zucker aus Rüben zu produzieren, hat unbestritten Vorteile hinsichtlich kurzer Transportwege und damit geringer Umweltbelastungen. Nachhaltigkeit mitsamt seinen Umwelt- und Sozialaspekten ist ein bedeutender Schwerpunkt unserer Arbeit. Zum Beispiel haben wir seit 1990 den Energieverbrauch und den Ausstoß an CO2-Emissionen deutlich gesenkt und werden dies weiter tun. Die im internationalen Vergleich enorm hohen Sicherheits-, Sozial- und Umweltstandards in der EU sind aus meiner Sicht ein echter Wettbewerbsvorteil. Wir sind Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit in der Branche und müssen es sein! Das erwarten unsere Kunden zu Recht von uns.

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Standorte

In sieben europäischen Ländern arbeiten Nordzucker-Mitarbeiter in Produktions- und Raffinationsstätten Hand in Hand.

Auf die Zukunft vorbereitet

Wir sind ein europäisches Team. In unserer Vielfalt liegt unsere Stärke. Wir haben gemeinsam das Unternehmen schon sehr weit vorbereitet, und wir werden nicht nachlassen in unserem Streben nach Profitabilität und Wachstum. Nordzucker wird in den kommenden Jahren konsequent auf den Markt ausgerichtet. Wir denken vom Kunden her und schaffen eine neue flexible und effiziente Struktur. Gleichzeitig werden wir unsere Fühler in Märkte außerhalb der EU ausstrecken und unser Kerngeschäft dorthin ausweiten, wo wir überdurchschnittliche Erwartungen haben.“

20 Tonnen Zucker pro Hektar fallen nicht vom Himmel

  • Cord-Heinrich Köster (Foto)

    Cord-Heinrich Köster

  • Landwirt hält Erde (Foto)
  • Traktor fährt über ein Feld (Foto)

Optimierter Rübenanbau

Einfallsreichtum macht versteckte Ressourcen nutzbar

Eines unserer wichtigsten Unternehmensziele ist die Stärkung der Erträge im Rübenanbau. Aber wo liegen die Potenziale? Wie werden sie aktiviert? Welche Erfahrungen hat unsere Anbauberatung gemacht, welche Versuche werden gemeinsam mit unseren Anbauern durchgeführt und wie sehen die Ergebnisse aus? Um diese Fragen aus erster Hand zu beantworten, haben wir gemeinsam mit den Anbauberatern Axel Schönecker und Tobias Minth zwei Landwirte in Niedersachsen besucht, die engagierte Rübenanbauer sind und an Versuchen teilnehmen.

Wunstorf im Calenberger Land, nahe dem Steinhuder Meer …

Wir sind auf dem Weg Richtung Wunstorf, einer Stadt in der Region Hannover. Am Rande des Calenberger Landes, einem Teil der fruchtbaren Calenberger Lössbörde, liegt der Betrieb von Cord-Heinrich Köster. Er bewirtschaftet 220 Hektar auf den hier typischen tiefgründig humosen Parabraunerden. 32 Hektar davon bestellt er mit Zuckerrüben. Darüber hinaus ist er auch als Lohnunternehmer für andere Betriebe tätig und drillt für Kollegen Rüben. Seit vier Jahren nimmt er an Frühsaatversuchen teil.

„Der Acker muss reif sein. Ich gehe nicht nach festen Terminen.“ Cord-Heinrich Köster hat klare Vorstellungen zur Frühsaat. Er weiß, was sein Acker hergeben kann und was nicht. Was seiner Meinung nach auch für seine Kollegen gilt, deren Wissen, wie sein eigenes, sich in den vergangenen zehn bis 15 Jahren weiterentwickelt hat. Seine Zuckerrüben baut Cord Köster nebendem schon seit 15 Jahren komplett in Mulchsaat an. Einfach, weil die Flächen in seiner wasserknappen Region dann die Feuchtigkeit besser halten. Was die Bearbeitung angeht, ist er der Meinung, dass weniger hier mehr ist. Gern erzählt er von einem Extremfall, den er vor Jahren beobachten konnte. „Ein Landwirt hatte auf seiner Fläche zuerst Gülle ausgebracht und anschließend gegrubbert und gepflügt. Der Nachbarbetrieb hat seinen alten Grubber rausgeholt und ist damit einmal über die Fläche gefahren. Sonst hat der nix gemacht.“ Cord Köster runzelt die Stirn. „Dem, der seinen Acker so intensiv bearbeitet hatte, ist beim Gewitter der halbe Acker weggeschwommen. Der Schlag von dem Nachbarn aber, da sind die Rüben super gewachsen. Das hat mir zu denken gegeben.“

Seit vier Jahren nimmt der Betrieb von Cord Köster an Frühsaatversuchen der Nordzucker Anbauberatung teil. Betreut wird er vom Werk Nordstemmen. Ähnliche Versuche werden an allen Nordzucker-Standorten, sei es in Deutschland, Polen oder Schweden, durchgeführt und ausgewertet.

Was bringt Frühsaat, Herr Minth?

Wir haben unsere Frühsaatversuche ausgewertet. Demnach lag der Unterschied zwischen Frühsaat und den späteren Saatterminen bei 1,5 Tonnen Zuckerertrag pro Hektar. Interpoliert man dies, kann man von einer Tonne Zucker Mehrertrag pro Woche früherer Aussaat ausgehen. Allerdings gibt es eine natürliche Grenze: Man kann nicht beliebig in den Februar vorziehen. Unsere Ergebnisse gelten für den März.

Tobias Minth, Anbauberater Nordzucker (li.), im Gespräch mit Cord-Heinrich Köster (Foto)

Tobias Minth, Anbauberater Nordzucker (li.), im Gespräch mit Cord-Heinrich Köster

Domäne Bahrdorf bei Helmstedt, direkt an der Grenze zu Sachsen-Anhalt …

Andreas Bertram (Foto)

Andreas Bertram

Ohne Zwischenfrucht könnten wir nicht so früh aussäen.

Weiter gehts nach Bahrdorf bei Helmstedt. Hier treffen wir Andreas Bertram, den Geschäftsführer der „Domäne Bahrdorf“. Der Betrieb verfügt über 360 Hektar Anbaufläche, wovon 60 Hektar für den Rübenanbau verwendet werden, 80 Hektar für Raps und der Rest für Weizen. Die Böden liegen zwischen 23 und 55 Bodenpunkten, sind also sandig bis sandig-lehmig.

„Wir haben schon immer früh gedrillt“, erklärt uns Andreas Bertram auf Anfrage. „Meistens im März, sobald der Boden oben trocken wird.“ Auch er ist überzeugt von den Ertragsvorteilen einer frühen Aussaat, stellt aber fest, dass dies in seinem Betrieb nur möglich ist dank einer Winterzwischenfrucht. „Die ist besonders wichtig“, betont er. „Insbesondere bei abschüssigem Gelände führt sie zu einer besseren Bodenbeschaffenheit, Erosionsschutz, besserer Durchwurzelung und organischer Düngung. Ohne die Zwischenfrucht könnten wir nicht so früh aussäen.“ Kein Wunder also, dass die Zuckerrübe mit 17 Prozent Anteil derzeit ein fester Bestandteil von Andreas Bertrams Betriebsplanung ist.

Versuchsbetriebe bringen alle voran

Axel Schönecker, Leiter des Rübenbüros Klein Wanzleben, betreut den Betrieb von Andreas Bertram mit seinem Team. Er unterstreicht, dass durch eine im Schnitt zehn Tage frühere Aussaat nach seinen Erfahrungen der Rübenertrag signifikant steigt: „Durch die Frühsaat ist der Rübenertrag um acht Prozent gestiegen. Ein Ergebnis ganz im Sinne unseres 20 · 20 · 20 Projekts und ganz im Sinne unserer Landwirte. Heute ist die Frühsaat bereits in der Praxis angekommen. Versuche sind aber weiterhin wichtig. Ein einzelner Versuch bringt wenig. Erst in der Gesamtheit ergeben sich wertvolle Ergebnisse, die dann allen Landwirten zugutekommen.“

Ein Zukunftsthema im Rübenanbau ist die sogenannte Gleichstandsaat. Hierbei wird im Unterschied zur herkömmlichen Aussaat darauf geachtet, dass die Abstände des Saatguts sowohl in der Reihe als auch zwischen den Reihen gleich sind. Sprich: Bei der Gleichstandsaat soll jede Pflanze – wie der Name schon sagt – zu jeder Nachbarpflanze einen – fast – gleichen Abstand zwischen 30 bis 33 cm haben. Wasser, Nährstoffe und vor allem Licht stehen so allen Pflanzen gleichmäßig zur Verfügung. Wird in 45er-Reihen gedrillt, hat die Einzelpflanze zu ihren Nachbarn in der nächsten Reihe 45 cm Abstand, zu ihren direkten Nachbarn in der Reihe aber einen Abstand von etwa 21 cm.

Rübenanbau – herkömmliche Aussaat (Grafik)

herkömmliche Aussaat

Rübenanbau – Gleichstandsaat (Grafik)

Gleichstandsaat

Die Versuchsergebnisse des Forschungsprojekts können sich sehen lassen: Laut ARGE Nord ist der Zuckerertrag in zehn Versuchen an fünf Standorten in zwei Jahren im Durchschnitt um fünf Prozent gestiegen. Der Mehrertrag kommt nach jetzigem Kenntnisstand allein über den höheren Rübenertrag zu Stande, der Zuckergehalt wird durch die Gleichstandsaat nicht beeinflusst. Die Pflanzen nutzen offensichtlich den sie umgebenden Standraum besser aus als beim normalen Reihenabstand. Der Boden und die Sonneneinstrahlung werden also besser genutzt. Gero Schlinker, Geschäftsführer der ARGE Nord, ist deshalb überzeugt vom Zukunftspotenzial der Gleichstandsaat: „Wir sehen in der Gleichstandsaat ein greifbares Ertragspotenzial. Wie groß dieses Potenzial ist und wie es gehoben werden kann, dies gilt es in den nächsten Jahren weiter zu erforschen. Vergleichbarkeit der beiden zu untersuchenden Systeme ist das entscheidende Kriterium bei unseren Versuchen zur Gleichstandsaat. Wir legen an allen Versuchsstandorten Versuche mit den gleichen Sorten an. Außerdem sind Drillmaschine, Aussaatzeitpunkt und Erntezeitpunkt gleich. Das schafft Vergleichbarkeit über die Regionen hinweg.“ Die Ergebnisse zur Gleichstandsaat sind vielversprechend, aber die derzeit vorhandene Erntetechnik ist für diese Reihenweite nicht vorgesehen. Hier gibt es technischen Entwicklungsbedarf.

Mit intensiver Beratung zu deutlich mehr Ertrag

Um bis 2020 mit 20 Prozent der leistungsstärksten Rübenanbauer 20 Tonnen Zucker je Hektar zu erzielen, definieren regionale Kompetenzteams in allen Ländern, in denen Nordzucker Rüben verarbeitet, die großen und kleinen Schritte, um das 20-Tonnen-Ziel zu erreichen. Die Summe vieler verschiedener, oft kleiner Schritte, führt schlussendlich zum Erfolg. „Unsere Anbauberater führen einerseits eigene Versuche durch oder sehen zahlreiche Versuche und haben andererseits durch ihre tägliche Beratung viele Praxisschläge vor Augen. Sie haben also ein sehr breites Spektrum über den Anbau in ihren Naturräumen, das sie gewissermaßen verdichten. Und dieses Wissen bringen sie in die Fläche, also zu den anderen Landwirten zurück. Das ist ein ganz wichtiger Schritt auf dem Weg zu 20 Tonnen Zucker je Hektar. Unser Ziel ist es, Innovationen voranzutreiben“, sagt Dr. Andreas Windt, Manager Anbauberatung.

Fakten zu der Initiative 20·20·20

Start: Im Jahr 2011

Ziel: Bis 2020 sollen 20 Prozent der Rübenanbauer 20 Tonnen Zucker pro Hektar ernten können.

Kernbereiche: Züchtung, Anbauverfahren, Ernte, Lagerung und Anbaustruktur

Wissensaustausch: Regionale Kompetenzteams in sieben Anbauländern

  • Fredrik Larsson (Foto)

    In Schweden …

    In Südschwedens Provinz Schonen fühlt sich die Rübe zu Hause.

    Fredrik Larsson

  • Joachim Vogel (re.) und Johannes Vogel (li.) (Foto)

    In Deutschland …

    An der Mittelweser trägt die Rübe zum wirtschaftlichen Erfolg traditionsreicher Familienbetriebe bei.

    Joachim Vogel (re.) und Johannes Vogel (li.)

  • Daniel Frauenschuh (Foto)

    In der Slowakei …

    Auch unter den klimatischen Bedingungen Osteuropas bewährt sich die Rübe.

    Daniel Frauenschuh

„Die Rübe ist für uns ein Gewinn“

  • Landwirt Herr Vogel (Foto)
  • Die Rübe hat einen großen Stellenwert in unserem Betrieb.

  • Zuckerrübenblatt (Foto)
  • Seit 60 Jahren baut Familie Vogel Rüben an

Zukunft Rübe

Drei Zuckerrübenanbauer sprechen über ihre Erfahrungen

Wir haben uns mit drei Landwirten aus drei Nordzucker-Ländern unterhalten – Deutschland, Schweden und der Slowakei – um zu erfahren, welche Bedeutung die Zuckerrübe für ihren Betrieb hat und wie sie deren Zukunft sehen – auch mit Blick auf den Wegfall der Quote nach 2017. Wir haben mit dem Österreicher Daniel Frauenschuh gesprochen. Seit 2008 ist er alleinverantwortlicher Verwalter eines großen landwirtschaftlichen Betriebs mit 3.500 Hektar in der Slowakei. Fredrik Larsson betreibt gemeinsam mit einem Partner und zwei Mitarbeitern in vierter Generation einen 735 Hektar großen Hof nahe Skegrie im Südwesten von Schonen/Schweden. Und schließlich Joachim Vogel, der gemeinsam mit seiner Frau einen landwirtschaftlichen Betrieb von 140 Hektar an der Mittelweser führt, der bereits seit 500 Jahren im Familienbesitz ist, sowie im lippischen Lage einen Betrieb von 100 Hektar.

Rübenanbau unter verschiedenen Bedingungen

Schaut man sich die drei landwirtschaftlichen Betriebe an, wird schnell klar, wie vielfältig sie sind. So bewirtschaftet Daniel Frauenschuh in der Slowakei mit rund 90 Mitarbeitern an sechs BetriebsStandorten rund 2.000 Hektar Ackerfläche sowie 1.500 Hektar Grünland und Weideland, das für eine intensive Vieh- und Milchwirtschaft genutzt wird. Der Großbetrieb baut 500 Hektar Weizen an, 200 Hektar Winterbraugerste, 100 Hektar Sommergerste, 115 Hektar Rüben, 310 Hektar Mais, 275 Hektar Raps sowie Kleegras und Luzerne-Gras. Seine Flächen sind über 14 Gemeinden verteilt. Der frühere Staatsbetrieb ist heute klar strukturiert und hocheffizient, schreibt schwarze Zahlen und hat Vorbildfunktion für die slowakische Landwirtschaft. Etwas kleiner, damit aber mit weitgehend zusammenhängenden Flächen, ist BryLa jordbruks AB typisch für einen landwirtschaftlichen Betrieb in Südschweden. Fredrik Larsson und sein Partner bauen neben 92 Hektar Rüben, 103 Hektar Raps, 270 Hektar Weizen, 160 Hektar Braugerste sowie außerhalb der obligatorischen Brachflächen auf den restlichen Hektaren Erbsen, Wiesen-Rispengras, und Rot-Schwingel an. Auch der Hof von Familie Vogel ist typisch für ihre Region in der Wesermarsch. Die Familie baut bereits seit 60 Jahren Rüben an, derzeit auf 15 der 140 Hektar Ackerfläche. Sie betreiben Hybridrapsvermehrung, Saatkartoffelvermehrung, bauen Chipskartoffeln an sowie Spargel, Winterweizen, Roggen und Triticale.

Allen drei Anbauern gemeinsam ist die Überzeugung, dass dem Rübenanbau eine wichtige Funktion in ihrem Betrieb zukommt. Frauenschuh betont: „Für mich ist die Rübe a) eine interessante Frucht in der Fruchtfolge, b) eine hervorragende Verkaufsfrucht und c) durch die Rübenschnitzel, die wir von der Fabrik zurückbekommen, ein sehr wichtiges Futtermittel. Zudem ist die Rübe ein stabilisierender Faktor in unserem wirtschaftlichen Ergebnis. Im Gegensatz zum Weizenpreis, der sehr stark schwankt, liefert sie uns ein wesentlich planbareres Ergebnis.“ Trotz des gravierenden Größenunterschiedes zwischen den Betrieben sieht Joachim Vogel das ganz ähnlich: „Die Rübe hat einen großen Stellenwert in unserem Betrieb, schon aus Fruchtfolgegründen, aber natürlich auch aus Gründen des Deckungsbeitrags und der Arbeitsverteilung.“ Und in Schweden? Auch da ist die Aussage eindeutig: „Wir erwirtschaften mit Rüben rund 20 Prozent unseres Umsatzes“, erklärt Fredrik Larsson, „während der Rübenanbau lediglich 15 Prozent der Gesamtfläche ausmacht. Das ist ganz klar wirtschaftlich!“

Das sind natürlich ausgezeichnete Bedingungen für die zukünftige Karriere der Zuckerrübe. Alle drei Betriebe planen eine moderate Erweiterung ihrer Rübenanbauflächen. „Nach 2017 würden wir unsere Anbaufläche gerne auf 20 Hektar ausdehnen. Das würde gut in unsere Fruchtfolge passen, aber es kommt natürlich darauf an, dass die Rübe wettbewerbsfähig bleibt“, stellt Joachim Vogel heraus. Fredrik Larsson unterstreicht hingegen die Bedeutung in der Fruchtfolge: „Die Zuckerrübe wird nach wie vor eine wichtige Kulturpflanze sein. Sie ist eine gute Pflanze zur Unterbrechung der Infektionsketten in der Fruchtfolge und bringt eine gute Verteilung der Arbeit im Laufe des Jahres mit sich.“ Auch für ihn steht naturgemäß die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund „Der Rübenanbau muss sowohl für mich als Anbauer als auch für die Zuckerindustrie wirtschaftlich sein. Ohne Wirtschaftlichkeit kein Anbau und ohne Anbau keine Industrie, das heißt es entsteht eine Art Win-win-Situation, wenn alle Beteiligten auf allen Stufen das Richtige tun.“ Daniel Frauenschuh und Fredrik Larsson haben in neue Technik investiert und setzen daher auf die Zukunft der Rübe.

Irgendwie ist die Rübe ja auch eine spannende Kultur.

Dass in diesem Zusammenhang gerade die Angebote und Möglichkeiten der Nordzucker- Anbauberatung eine große Rolle spielen, darüber sind sich alle einig. Auf die Frage nach ihren Erfahrungen mit der für ihre Region zuständigen Anbauberatung sind ausschließlich positive Antworten zu hören. Niemand mag die konkrete Hilfestellung durch die Experten missen. Angefangen von Empfehlungen zum effektiven Bekämpfen von Auflaufraps auf den Schlägen bei einer Fruchtfolge von Raps zu Rübe, über die Neutralisierung von Salzschäden durch starken Regenfall unmittelbar nach der Kalidüngung, bis zu den besonderen Anforderungen aufgrund der klimatischen Bedingungen für die Rübe in der Slowakei wird der Wissensaustausch mit den Anbauberatern überall geschätzt. So ist es nicht nur für Fredrik Larsson wichtig, an den letzten Erkenntnissen beispielsweise aus dem Projekt 20 · 20 · 20 teilzuhaben. Durchaus selbstkritisch führt er aus: „Je mehr man sich mit dem Anbau beschäftigt, desto mehr erkennt man, dass die bisherige Arbeitsweise vielleicht nicht die beste ist, sodass man genau hingucken und von den durchgeführten Versuchen lernen sollte.“ Und sein Kollege aus der Slowakei bringt es auf den Punkt, wenn er feststellt: „Wir wollen ja besser werden! Deswegen greifen wir die Erkenntnisse aus den Versuchen der Anbauberatung gerne auf.“ Dass sich die Landwirte neben der Nordzucker-Anbauberatung mit ihrer Vielzahl von Erzeugertreffen, Feldtagen und Schulungen ihre Anregungen auch aus weiteren, ihnen zugänglichen Quellen beschaffen, zeichnet die guten Betriebsleiter aus.

20 Tonnen

Zucker vom Hektar sind bis 2020 das Ziel mit 20 Prozent der Landwirte

Frauenschuh empfindet die Ergebnisse der landwirtschaftlichen Versuche als sehr hilfreich für seine Arbeit. Wenn in den Versuchen positive Erfahrungen und Kenntnisse gewonnen werden, ist man bei den Ersten, die neue Erkenntnisse dann anwenden. Denn nur so lassen sich die teils ambitionierten Ziele erreichen, die sich Anbauer wie Fredrik Larsson gesetzt haben: „Ziel ist es, dass unser Anbau in den kommenden Jahren zu den besten 20 Prozent in Schweden gehört. Wir haben die Voraussetzungen, das heißt, wir müssen den Trend der ständigen Weiterentwicklung nur weiterverfolgen, die Forschung beobachten, neue Erkenntnisse nutzen und uns trauen, an der Spitze zu sein.“

  • GPSPrecision Farming mit GPS und GIS ist die Technik der Zukunft

  • GPS und GIS Geräte in Verwendung (Foto)
  • Zentimetergenaue Positionierung rechnet sich.

„Der Preis regelt den Markt, die Guten setzen sich durch.“

Vor diesem Hintergrund mag es auch niemanden verwundern, wie gelassen die Landwirte den Wegfall der Quotenregelung 2017 und dessen wirtschaftliche Folgen sehen. „Quote, Quote, Quote ist das Schlimmste, was man einem Markt zufügen kann. Deshalb sehe ich für uns den Wegfall positiv. Der Preis regelt den Markt. Die Guten setzen sich durch. Wir brauchen professionelle Leute, die uns unterstützen, und wir selbst müssen professionell arbeiten. Hand in Hand. Ich habe keine Angst vor dem Wegfall der Quote!“ Daniel Frauenschuh ist ob der Größe seines Betriebes ein Verfechter des freien Marktes. Freilich gibt es hierzu auch kritische Stimmen unter den Landwirten. Auch Fredrik Larsson sieht aber vor allem die Chance: „Ich bin nicht der Meinung, dass die Abschaffung der Quoten nur negativ ist. Sie eröffnet große Möglichkeiten, da wir mehr anbauen und erzeugen können. Durch eine gleichmäßige, hohe Zuckerqualität und rechtzeitige Lieferungen sind wir wettbewerbsfähig. Die Industrie und die Anbauer sind ja voneinander abhängig. Eine wirtschaftliche Industrie in Verbindung mit einem wirtschaftlichen Anbau treibt die Entwicklung voran.“ Eine Gefahr für den eigenen Rübenanbau oder für die Zuckerproduktion in Europa sieht man weder in der Slowakei noch in Schweden oder Deutschland. Im Gegenteil. „Die letzten Jahre haben ja gezeigt, dass die Rübe in Deutschland zukunftsfähig ist“, findet Johannes Vogel. Das Vertrauen in die gemeinsame Kompetenz von Zuckerfabrik und Anbauern ist so groß, dass echte Chancen für die Zukunft erwartet werden.

  • Ich schätze die Ratschläge meines Anbauberaters. Es zahlt sich aus.

  • Landwirt präsentiert eine Zuckerrübe (Foto)
  • Zuckerrübenfeld (Foto)

„Der Zuchtfortschritt bei Rüben ist schon jetzt viel dynamischer als bei anderen Kulturen.“

Die Wirtschaftlichkeit der Zuckerrübe ist also der Dreh- und Angelpunkt für die Zukunft nach 2017. Da sind sich alle Beteiligten einig. Und auf Nachfrage, was sie denn unternehmen, um ihre Erträge zu steigern, wird man von der Vielzahl der Maßnahmen geradezu erschlagen: „Erstens arbeiten wir sehr intensiv mit der Anbauberatung unserer Zuckerfabrik zusammen. Zweitens haben wir neue Technik gekauft. Dazu in Deutschland spezielle Zwischenfruchtmischungen,“ erzählt Frauenschuh, „und vor jeder Rübensaat streuen wir tausend Kilo Kalk. Anhand von Bodenproben stimmen wir die Düngung ab. Alles Maßnahmen, um die Bedingungen für die Rüben zu optimieren. Wir sind kein Betrieb, der spart. Wir investieren.“ Die Vogels wiederum sehen den Zuchtfortschritt von Rüben schon jetzt viel dynamischer als bei anderen Kulturen und sind sich sicher, dass da in Zukunft noch einiges mehr geht. „Ansonsten versuchen wir heute, das Saatbett in einem Arbeitsgang fertig zu machen. Wir sparen so einerseits Kosten, weil wir z.B. weniger Treibstoff verbrauchen und andererseits halten wir die Feuchtigkeit im Boden, die wir fürs Keimen benötigen.“ Und in Schweden schließlich setzt man stark auf die Möglichkeiten moderner Technologie: „Wir haben in einen hochmodernen Maschinenpark investiert, wir nutzen GPS und andere Technik und haben einen modernen sechsreihigen Rübenroder angeschafft. Wir verfolgen die Strategie, spezialisierte Fahrer für unsere Maschinen einzusetzen, damit das Potenzial der Maschinen voll ausgeschöpft wird.“

So vielfältig und individuell wie die Betriebsgrößen und -lagen sind also auch die Maßnahmen zur Ertragssteigerung. Allen Befragten gemein ist jedoch der Wille, die Rübe auch in Zukunft als Kulturfrucht weiter voranzubringen im Wettbewerb der Feldfrüchte.

Nachhaltigkeit und Profitabilität Hand in Hand

  • Projektleiter Lothar Steinmann und Drengemann Patrick unterhalten sich vor einer Baustelle (Foto)

Investitionen

Intelligente Investitionen machen Werke fit für die Zukunft

Die Zukunft kommt mit großen Schritten. Und Nordzucker stellt sich mit einem umfassenden Maßnahmenpaket auf die neuen Anforderungen ein. Auch was die Investitionsplanung angeht, haben wir das Ende der Quotenregelung fest im Blick, um unsere Werke mit intelligenten Investitionen weiterhin fit für die Zukunft zu machen. Investitionen, die der langfristigen Sicherung von Nachhaltigkeit und Profitabilität unserer ProduktionsStandorte dienen. Doch was sind dabei die Schwerpunkte? Wo investieren wir und warum? All dies wollen wir aufzeigen am Beispiel unseres Werks in Örtofta in Schweden. Wir sprachen mit zwei der Projektleiter, Jerker Magnusson und Niklas Hanner.

Das Zeitfenster zur Umsetzung von Investitionsprojekten ist in der Zuckerproduktion knapp bemessen

Die Zuckerproduktion ist ein saisonales Geschäft: Während der Zeit der Rübenverarbeitung – der Kampagne – wird rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, Zucker produziert. Aufgrund dieser besonderen Taktung müssen alle Investitionen, bei denen neue Anlagen installiert oder alte ausgetauscht werden, bis zum Beginn der nächsten Kampagne abgeschlossen sein. Was sind die lang- und kurzfristigen Prioritäten für Investitionen im Werk Örtofta? Wir erfahren von den zuständigen Projektleitern, dass sämtliche Investitionen in Örtofta zur Senkung der Kosten und damit zur Erhöhung der Profitabilität beitragen und gleichzeitig den Energieverbrauch deutlich senken. Dazu zählt ein neuer Verdampfungstrockner, kurz VDT, in dem die Rübenschnitzel durch die Wärmeenergie des Dampfs getrocknet werden, sodass sie zu dem Futtermittel Trockenschnitzelpellets weiterverarbeitet werden können. „Kombiniert haben wir die Investition in den VDT mit einem neuen kontinuierlichen Kristallisationsapparat in der Kochstation. Gemeinsam reduzieren beide Anlagen den Gesamtenergieverbrauch unseres Werks. Denn der VDT benötigt weniger Energie als die alte Anlage und er erzeugt Dampf, welchen wir in der Verdampfstation zur Eindickung des Dünnsaftes einsetzen können“, so Jerker Magnusson weiter. Beides also Investitionen, die eine erhebliche Energieeinsparung im Werk zur Folge haben werden. Dazu kommen noch zwei Verdampfungsapparate, mit denen die Heizflächenkapazität um rund ein Viertel vergrößert wird. Einer davon wird von einem polnischen Lieferanten neu geliefert, während der andere aus dem eigenen Bestand stammt und modernisiert wurde. Ein neuer Melassetank komplettiert schließlich die Reihe der Projekte im Werk Örtofta und wird die Lagerkapazitäten von Örtofta auf 28.000 Tonnen verdoppeln.

Mit dem neuen Melassetank verdoppelt sich die Lagerkapazität für Melasse in Örtofta.

28.000 Tonnen

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Planung, Timing und Koordination müssen perfekt sein

Vorarbeiten für den Verdampfungstrockner und den Kristallisationsapparat, wie beispielsweise das Setzen von Fundamenten, konnten bereits nach der Kampagne 2012/13 begonnen werden. Trotzdem ist es eine hohe Kunst, alle Investitionsprojekte exakt im Zeit- und Kostenplan zu halten. Voraussetzung hierfür ist ein ausgefeilter Projektplan. Der Plan für den Verdampfungstrockner wurde vor rund eineinhalb Jahren erstellt, die Investition als solche ist allerdings schon seit sechs Jahren geplant. Die Idee, die Investition in einen Verdampfungstrockner um einen kontinuierlichen Kristallisationsapparat zu ergänzen, um die Vorteile des Verdampfungstrockners voll nutzen zu können, wurde bereits vor drei Jahren in den Investitionsplan aufgenommen. Genauso wichtig wie eine präzise Planung ist eine sehr gute Zusammenarbeit quer durch alle Bereiche, Werke und Länder. Und natürlich die Beteiligung und das Engagement aller Kolleginnen und Kollegen. „Alle im Werk ziehen hier an einem Strang, wenn es um die Umsetzung von Großinvestitionen geht. Nur so kommen wir am Ende rechtzeitig zum Erfolg“, so Niklas Hanner. Selbstverständlich haben Investitionen dieses Umfangs einen großen Einfluss auf die ganze Fabrik. Rund fünfzig Mitarbeiter in Örtofta sind in unterschiedlichem Umfang an den Investitionsprojekten beteiligt. Aber das ist nicht alles. „Letzten Sommer hatten wir um die 40 Arbeiter von Fremdfirmen in der Fabrik, die zum Beispiel Fundamente für den Verdampfungstrockner und den Kristallisationsapparat gesetzt haben. Diesen Sommer werden wir sicherlich 150 Mitarbeiter von etwa 20 verschiedenen Fremdfirmen beschäftigen“, erklärt uns Jerker Magnusson. „Wir haben jede Woche Koordinierungstreffen und können uns gegenseitig vertreten, wenn es zu Engpässen kommt“, ergänzt Niklas Hanner nachdrücklich.

Energiekosten zu senken ist ein Hauptziel

Die gesamte Energie, die im Werk Örtofta erzeugt wird, wird mehrfach verwendet. Der Energieverbrauch der Zuckerfabrik wird dadurch um rund 150.000 MWh pro Jahr reduziert. Dies macht etwa 30 Prozent des Energiebedarfs während der Kampagne aus und entspricht dem Energieverbrauch von rund 7.500 Einfamilienhäusern. Zugleich sinken die CO2-Emissionen um etwa 32.000 Tonnen pro Jahr. „Die Investitionen stellen einen großen Schritt in Richtung nachhaltige Produktion dar“, fasst Jerker Magnusson nicht ohne Stolz zusammen. Und natürlich ist ihnen ein intensiver Wissensaustausch zwischen den Werken vorausgegangen – sowohl in der Vorbereitungsphase als auch in der Ausführungsphase des Projekts. „Fast sämtliche unserer Maschinenführer haben sich in Nakskov und Uelzen den Verdampfungstrockner angeschaut, und die künftigen Maschinenführer des kontinuierlichen Kristallisationsapparats waren in Klein Wanzleben und Nordstemmen“, erzählt Niklas Hanner und fährt fort: „Es ist eine wichtige Erfahrung zu sehen, wie die Technik im laufenden Betrieb funktioniert. Dies erzeugt eine andere Einstellung und trägt dazu bei, dass man keine Angst vor der neuen Technik hat.“

Durch die neuen Anlagen wird der Energieverbrauch im Werk Örtofta um 150.000 MWh reduziert. Das sind 30 Prozent des Energiebedarfs der Fabrik in der Kampagne.

30 Prozent

!

  • Die Projektleiter haben gut lachen – mit dem pünktlichen Abschluss aller Umbau- und Ausbaumaßnahmen bringen sie das Werk Örtofta weiter nach vorne: Die nächste Kampagne kann kommen!

  • Projektleiter Lothar Steinmann und Drengemann Patrick unterhalten sich vor einer Baustelle (Foto)

Das Effizienzprogramm ‚Profitabilität plus‘ und die Zukunft

Sämtliche in Örtofta durchgeführte Investitionsprojekte tragen zur Profitabilität und Effizienzsteigerung bei. Sie gewährleisten einen rentablen Einsatz von Ressourcen und steigern die Wirtschaftlichkeit des Werks. Und in gewisser Weise sind sie wie das gesamte Effizienzprogramm ‚Profitabilität plus‘ eine „unendliche Geschichte“. Denn jede Steigerung der Effizienz an einem Punkt des Herstellungsprozesses eröffnet weitere Effizienzpotenziale an anderer Stelle. Die Projektleiter haben in Folge der aktuellen Investitionen in Örtofta bereits weitere wichtige Ansatzpunkte entdeckt: So steht demnächst beispielsweise die Effizienzsteigerung der logistischen Kapazitäten auf der Agenda, also die Bereiche Verpackung, Silo, Lager und Entladen. Denn die heutige Kapazität ist auf eine ganz andere Produktionsgröße abgestimmt als die, die jetzt neu in Örtofta vorhanden ist. „So ergibt eben ein Ding das andere“, schmunzelt Jerker Magnusson. Und ist sich mit seinen Kollegen auch bereits über die zukünftigen Baustellen im Klaren: „Die Filterstation kommt an die Grenzen ihrer Kapazität. Die Fabrik ist ihr zu groß geworden, sodass sie sowohl von der Qualität als auch von der Auslastung her nicht mehr mithalten kann. Da muss etwas geschehen.“ Ebenso wie bei den Pressen für die extrahierten Rübenschnitzel und beim Automatisierungssystem. „Unser Fokus muss auf die Zukunft gerichtet sein. Wir waren immer gut darin, Energie zu sparen, und Nordzucker war schon immer bei Effizienzsteigerungen in diesem Bereich führend.“

Jerker Magnusson und Niklas Hanner verstehen ihre Fabrik als eng verzahntes, hoch integriertes System von Produktionskomponenten natürlich mit Spielraum für weitere Effizienzsteigerungen. Mit diesem scharfen Blick für die Möglichkeiten der Zukunft leben sie genau das, wofür das Effizienzprogramm ‚Profitabilität plus‘ steht: das Streben nach höherer Effizienz und Nachhaltigkeit als ein kontinuierlicher, nie endender Prozess.

Herr über eine komplexe Produktionsmaschinerie

  • Lothar Steinmann (Foto)

    Lothar Steinmann

  • Drengemann Patrick (Foto)

    Patrick Drengemann

Produktion

Wie sich das Berufsbild des Meisters wandelt

Seit 175 Jahren wird in den Nordzucker-Werken Zucker produziert. Unsere Werke sind in ihrer Region ein bedeutender Arbeitgeber. Wie haben sich die Aufgaben in den letzten Jahren verändert? Wir haben im Werk Uelzen mit zwei Meistern gesprochen, die auf eine ganz unterschiedliche Erfahrung blicken können. Der eine, Ende 40, steht vor seinem 25-jährigen Dienstjubiläum und führt eine generationenlange Familientradition fort. Der andere, ein junger Familienvater Anfang 30, blickt gerade auf zwei Jahre als Meister in Uelzen zurück. Wir haben die Beiden während eines Arbeitstages außerhalb der Kampagne begleitet, um uns ein Bild davon zu machen, was es heute bedeutet, Meister bei Nordzucker zu sein.

Lothar Steinmann feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Er hat in der Zuckerfabrik Northeim gelernt und bereits im Alter von 22 Jahren seine Meisterprüfung abgelegt. Seit 15 Jahren ist er im Werk Uelzen Produktionsmeister Zuckerhaus und damit während der Kampagne in seiner Schicht zuständig für die gesamte Produktion – besonders für die Kristallisation und die Einlagerung ins Silo.

Ein Meister mit Familientradition …

„Schon mein Großvater und mein Urgroßvater haben in der Zuckerfabrik gearbeitet. Ich würde sagen, an hundert Jahren fehlt nicht mehr viel.“ Lothar Steinmann schmunzelt, als er das sagt. Erst recht, als er uns erklärt, dass sein Sohn im Werk Uelzen eine Ausbildung zum Industrieelektroniker beginnt. Eine stolze Familientradition also. Wir fragen ihn, was denn seine allerersten Erinnerungen an die Zuckerfabrik seien. Er lacht. „Meine erste Erinnerung an die Zuckerfabrik ist eigentlich meine Großmutter. Da muss ich so vier oder fünf Jahre alt gewesen sein. Sie hat meinem Großvater jeden Tag das Mittagessen ins Werk gebracht, im Blechgeschirr, wie das so üblich war.“

Seit 15

Jahren arbeitet Lothar Steinmann als Produktionsmeister in Uelzen

Lothar Steinmann sitzt mit seinen Mitarbeitern an einem Tisch (Foto)

Lothar Steinmann im Kreis seiner Mitarbeiter

Effiziente Teamarbeit statt strenger Hierarchie …

„Die Aufgaben haben sich über die Jahre deutlich geändert.“ Lothar Steinmann erinnert sich: „Vor 30 Jahren war der Meister noch mehr der ‚Brüller‘. Heute sag ich den Leuten ja nicht mehr, welche Schraube sie drehen sollen. Ich führe ein Team von Leuten, die mitdenken.“ Seine erste Stelle als Meister hatte er im Vorderbetrieb. „Wir waren zwei Produktionsmeister und hatten im Normalfall hundert Mitarbeiter. Innerhalb der Kampagne wurden noch mal fünfzig eingestellt. Nur für diesen Bereich. Damals war man ein Meister für einen Bereich in einer Schicht. Heute ist das ganz anders. Wir arbeiten im Vierschichtbetrieb. Ich habe in meinem Team 16 Mitarbeiter. Während der Kampagne stocken wir um fünf oder sechs Mann auf. Alle ziehen an einem Strang.“ Wie sehr heute auf Teamarbeit gesetzt wird, wird uns gleich zu Beginn unseres Besuches deutlich: Täglich um 8:20 Uhr treffen sich alle Meister, alle Ingenieure und der Direktor des Werks. Jeder berichtet, was in seinem Bereich anliegt, damit die Teams optimal zusammenarbeiten können. Auch Steinmann setzt auf die Meinung seiner Mitarbeiter, sie sind doch viel näher an der praktischen Arbeit dran. Wir begleiten ihn zu einem Termin. Er trifft sich mit drei Mitarbeitern, gemeinsam besprechen sie eine technische Zeichnung für den Neubau eines Rohzuckermixers. Insgesamt, sagt Steinmann später, habe sich die Arbeit verdichtet. „Was vor 20 Jahren ein Werkleiter gemacht hat, das muss zum Teil heutzutage ein Ingenieur machen. Und vieles, was früher ein Ingenieur erledigt hat, liegt heute in der Hand von uns Meistern.“ Er hält kurz inne und fasst dann zusammen: „Mehr Eigenverantwortung, selbstorganisierte Gruppenarbeit, ein Meister ist heute ein in sich funktionierender Manager, der Überblick über alles haben muss. Heute hat jeder ein Verhältnis zu dem, was am Schluss dabei herauskommt. Wir diskutieren komplette Prozesse. Das macht schon Spaß!“

Eigenverantwortung und Weiterbildung …

Etwa

250

Mitarbeiter

arbeiten im Jahresdurchschnitt im Werk Uelzen.

Lothar Steinmann zählt auf, was für seinen Bereich anliegt: „Es sind vier Schichten zu besetzen. Vieranlagenfahrer, vier Meisterhelfer, vier Zentrifugenfahrer, vier Doppelraffinade-Kocher und vier Silo-Einlader. Plus, wenn jemand ausfällt, ein Springer. Jeder hier interessiert sich auch für die Arbeit der anderen, schaut über seinen Tellerrand hinweg und wird so zum Allrounder. Nur so können wir den gesamten Produktionsprozess mit einer, im Vergleich zu früher, Handvoll Leuten sauber organisieren und beherrschen. Es gibt heute eine Menge Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln, man muss sie nur nutzen.“ Neben der Führung eines Teams fallen auch die Planung und Durchführung der Reparaturen in seinen Verantwortungsbereich. Alle paar Wochen wird dann im Rahmen einer Budgetsitzung über die angefallenen Ausgaben gesprochen. Hinzu kommt, dass er als Sicherheitsfachkraft in einer konzernweiten Arbeitsgruppe aktiv ist. Auf die Frage, was sich durch IT und E-Mail verändert hat, meint Steinmann: „In der Kampagne kann ich nachts genauso arbeiten wie am Tag. Wenn ich ein Angebot einholen muss, dann schick ich die Anfrage durchaus gleich nachts raus und habe dann am Tag drauf eine Antwort.“ Und in Zukunft, wer weiß? Steinmann überlegt kurz. „Wie sieht ein Schichtsystem für einen Meister in Zukunft aus? Müssen die Schichten noch mit Meistern besetzt werden? Sind die Leute nicht mittlerweile heutzutage in der Lage, ihre Station selber zu fahren und reicht es nicht, wenn man erfahrene Mitarbeiter als Koordinatoren einsetzt? Das diskutieren wir derzeit. Es ist eben vieles in Bewegung.“

Nach der Kampagne ist vor der Kampagne …

„Beim Übergang von der Kampagne zur Reparaturzeit konnte man früher sagen ‚Jetzt kannst du mal Luft holen und durchatmen‘. Das ist heute nicht mehr so. Die Zeit der Kampagne ist für unsere Maschinen eine enorme Belastung. Schon während der Kampagne sind wir darauf fokussiert, potenzielle Verschleißstellen zu erkennen. Wenn Großreparaturen anfallen, müssen wir drei Vergleichsangebote einholen. Was bei unseren sehr speziellen Anlagen gar nicht so einfach ist. Es gibt Versicherungsschäden, die müssen abgewickelt werden. Maschinenbruch zum Beispiel und natürlich Investitionsprojekte. Während der Kampagne hat Lothar Steinmann aber auch immer im Blick, was verbessert werden kann: „Ich sag immer, aus der Kampagne rauszugehen und keine Idee für Verbesserungen zu haben, das wär traurig. Gerade in unserem Bereich der Kristallisation macht es Spaß, immer weiter an den Rädchen zu drehen, damit der Prozess immer noch einen Tick besser läuft.“

  • Lothar Steinmann unterhält sich mit einem Mitarbeiter in einer Fabrik (Foto)
  • Vor 30 Jahren war der Meister noch mehr der ‚Brüller‘. […] heute führe ich ein team von leuten, die mitdenken.

  • Detailaufnahme einer Maschine (Foto)

Patrick Drengemann ist Anfang 30 und seit gerade zwei Jahren Elektromeister im Werk Uelzen, in dem er auch gelernt hat. Neben der Arbeit als Geselle und Schichtführer machte er seinen staatlich geprüften Elektrotechniker und ist nun für den gesamten Bereich der Energietechnik zuständig.

Patrick Drengemann mit Kollegen in der Werkstatt (Foto)

Patrick Drengemann mit Kollegen in der Werkstatt

Mit Energie am Werk …

„Wir betreiben hier unser eigenes Kraftwerk mit zwei Turbinen und rund 26 Megawatt Leistung und produzieren unsere gesamte Prozesswärme selbst.“ Patrick Drengemann ist sichtlich stolz auf die autarke Energieversorgung des Werks Uelzen. „27 Transformatoren speisen den Strom in jede Station hier in der Fabrik. Dafür zu sorgen, dass immer alles so läuft wie es soll, das ist schon eine ganze Menge Verantwortung. Gerade wenn die Kampagne läuft, darf absolut nichts schiefgehen.“

Der Tagesablauf eines jungen Meisters …

„In der Regel beginnt mein Tag im Büro. E-Mails kontrollieren, was ist Neues reingekommen? Was hat der Einkauf mir reingelegt oder liegt irgendetwas an, was ich gegenzeichnen muss? Montags gleichen wir im Team die Aufgaben ab, besprechen Neuerungen, Arbeitssicherheitsthemen etc. Nach dem notwendigen Papierkram folgt dann ein Gang durch die Werkstatt, um mit den dortigen Kollegen zu sprechen. Wenn es gerade laufende Projekte gibt, also wenn wir zum Beispiel Investitionsprojekte haben, dann führt der nächste Weg auf die Baustellen. Wenn Fremdfirmen beteiligt sind, diskutiere ich mit ihnen den Baufortschritt. Jetzt, nach zwei Jahren, hat sich das gut eingespielt. Ich war ja zuvor schon Schichtführer und auch da bereits recht eigenverantwortlich. Und auch das tolle Miteinander, das wirklich funktionierende Teamwork, kenne ich schon von daher.“

Seit 2

Jahren ist Patrick Drengemann Elektromeister im Werk Uelzen.

Die Aufgaben der Zukunft …

Obwohl erst seit zwei Jahren Meister, blickt Drengemann auch schon auf gut zehn Jahre Berufserfahrung zurück. Wie schätzt er also die weitere Entwicklung seines Berufsbildes ein? „Auf jeden Fall wird die Automatisierung weiter fortschreiten. Wir werden noch mehr Funktionen in das Leitsystem integrieren. Unsere jungen Leute bringen da schon ein großes Vorwissen mit und stecken schon jetzt tiefer in der Thematik als wir damals. Das bringt eine Menge neuer Ideen.“ Er überlegt kurz. „Und natürlich ist höhere Effizienz ein Thema – nicht erst seit der Energiewende. Wir sind immer auf der Suche, wo wir noch irgendwo ein paar Kilowatt an Energie einsparen können. Da wird in Zukunft noch eine Menge mehr möglich sein.“

Bildung und Weiterbildung …

Auch in Patrick Drengemanns Bereich der Elektrotechnik spielt die interne Fortbildung eine wichtige Rolle: „Nordzucker bietet natürlich zahlreiche Lehrgänge an. Zum Zuckerprozess insgesamt, aber auch ganz Spezifisches. Gerade für unsere jüngeren Kollegen. Etwa, wenn es um das Leitsystem geht und wir ein neues System-Update reinbekommen. Aber auch Feldtechnik, Messtechnik, Mikrowellentechnik. Hier im Werk kann man nie genug Wissen haben. Wir schulen deshalb eigentlich das ganze Jahr durch. Auch die Kollegen untereinander. Wenn es eine größere Gruppe betrifft, hält einer, der Ahnung hat von einem Thema, einfach einen Vortrag für alle anderen. Bei uns muss sich eigentlich jeder mit allem auskennen.“ Wie engagiert die Einzelnen sind, zeigen allein die vier Techniker – und vier Meistertitel in der Elektroabteilung.

  • Bei uns muss sich eigentlich jeder mit allem auskennen.

  • Patrick Drengemann | Arbeitsplatz mit Computerbildschirmen (Foto)

Der Meister von heute

Wie hat sich das Berufsbild des Meisters in der Zuckerproduktion nun also gewandelt? Die Meister sind zu echten Teamplayern geworden. Zu Managern mit deutlich größerem Verantwortungsbereich und mehr Entscheidungsspielraum als ihre Väter und Großväter. Kein Zweifel: Meister bei Nordzucker zu werden, ist attraktiver denn je!

Zucker im Spiegel der Medien

  • Würfelzucker in einer Küchenwaage | Muffin (Foto)

    Angst vor Zucker?

    Zucker gehört zum Leben und ist Teil einer ausgewogenen Ernährung. Es kommt auf die Balance an.

  • 8,26 Mio. Treffer, wenn man das Wort „Zucker“ bei Google eingibt.

Ernährung & Gesundheit

Wie das Thema Zucker in TV und Printmedien zum Aufreger wird

Verlage und Sender schwingen bei der Besetzung ihrer Redaktionen und der Ausstattung ihrer Recherchebudgets seit Jahren gnadenlos den Rotstift. Dass in Zeiten von Kostendruck und Rationalisierung komplexe und damit rechercheintensive Themen wie Zucker leicht unter die Räder kommen können, mag kaum verwundern. Wir haben versucht, uns einen Überblick zu verschaffen über die aktuelle Berichterstattung, ihren Differenzierungsgrad, den Umgang mit wissenschaftlichen Fakten und die nicht unerheblichen Auswirkungen auf das Wissen rund um Zucker und Ernährung in der Gesellschaft.

Zucker zwischen Boulevard, Morgenmagazin und Spiegel

Gibt man in der Online-Suchmaschine Google den Suchbegriff „Zucker“ ein, erhält man 8.260.000 Treffer. Kombiniert man die Suchbegriffe „Zucker“ und „Genuss“, werden 2.570.000 Treffer angegeben. Wunderbar. Erweitert man jedoch den Suchbegriff „Zucker“ um das Wort „Gift“, werden immer noch 1.340.000 Treffer zurückgespielt. Verwendet man die Suchkombination „Zucker“ und „Droge“, sind es 141.000 Treffer. Unter den Treffern finden sich Schlagzeilen bekannter Medien. Bereits dieser einfache, für jedermann leicht nachvollziehbare Test macht deutlich, wie die öffentliche Wahrnehmung von Zucker medienübergreifend beschaffen ist. Kann man es sich so einfach machen zu behaupten, dieser Effekt sei schlicht der Tatsache geschuldet, dass hier die bekannte Medien-Binsenweisheit greife „Bad news are good news“? Nun, ganz so einfach ist es nicht. Zwar drängt sich einerseits der Eindruck auf, dass Zucker als Quoten- und Auflagensteigerer herhalten muss – von Schlagzeilen im ARD Morgenmagazin à la „Zucker, die gefährliche Volksdroge“ bis zu Bestsellertiteln wie Hans-Ulrich Grimms „Garantiert gesundheitsgefährdend – Wie uns die Zuckermafia krank macht“. Andererseits ist Zucker nebst Zuckerproduktion und -konsum ein derart komplexes Thema, dass allein dadurch eine differenziertere Darstellung meist in den Ansätzen steckenbleibt, vielleicht sogar steckenbleiben muss.

Die Medienrealität zeigt, dass Zucker ein erklärungsbedürftiges Produkt ist. oft missverstanden, Aber trotzdem lebensnotwendig.

  • Evolutionstreiber Zucker (Grafik)

    Evolutionstreiber Zucker

  • Die Fähigkeit, Süßes zu schmecken und so energiereiche Nahrung zu finden, an denen andere Gattungen achtlos vorüber zogen, verschaffte unseren Vorfahren einen Entscheidenden Vorteil im Wettbewerb der Spezies.

Selbst die renommierte Weltgesundheitsorganisation (WHO) scheint ihre Empfehlung nur einseitig auszurichten, wenn sie in ihrem aktuellen Richtlinienentwurf zum Zuckerkonsum neue, drastische Grenzwerte für den Zuckerkonsum vorschlägt. Denn dem Entwurf zu Grunde liegt die wissenschaftlich nicht haltbare Reduktion auf nur eine Ursache von Adipositas und Karies – den Zucker. Nun hat zum einen eine verbesserte Mundhygiene die Zahngesundheit vor allem bei Kindern und Jugendlichen signifikant verbessert. Die Karieshäufigkeit geht also zurück. Zum anderen helfen einseitige Verbote wenig, vielmehr ist Aufklärung gefragt. Gerade in Sachen Zucker gibt es da ein erkennbares Defizit. Im Zuge eines immer schneller getakteten Alltags hat sich die Ernährung vom selbst Zubereiten verschoben zum Verzehr von verarbeiteten Lebensmitteln. Dabei ist neben vielem anderen auch Wissen um den Zucker als natürlicher Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung verloren gegangen. Wissen, das unsere Eltern und Großeltern noch hatten. Hier gilt es anzusetzen.

Die Komplexität des Themas scheint jedoch in einer medialen Welt zu scheitern, die einfache Antworten bevorzugt und einer Aufmerksamkeitskultur huldigt, die nur noch den durchdringen lässt, der seine Wahrheit am lautesten herausschreit. Als Beispiel kann man einen Beitrag in einer auflagenstarken Boulevardzeitung anführen, die im Juli 2012 den Zuckergehalt in 55 Lebensmitteln untersuchen ließ und die teils überraschenden Ergebnisse veröffentlichte. Wie in so vielen anderen Artikeln wird auch in diesem eingestanden, dass gegen Zucker per se nichts einzuwenden sei und er als wichtiger Energieträger natürlicher Bestandteil des Körpers ist. Eine nicht ganz unerhebliche wissenschaftliche Tatsache, die quasi in einem Nebensatz zur Sprache kommt und schnell überdeckt wird von in der Schlacht um die Aufmerksamkeit der Leser wesentlich wirkungsvolleren Stichworten wie „Süßes Gift“ oder „Droge Zucker“. Schlagworte, die in der Regel aus immer den gleichen verblüffend wenigen Quellen abgeleitet werden. Allen voran die Studien des US-Endokrinologen und Kinderarztes Robert Lustig von der Universität Kalifornien in San Francisco. Obwohl selbst dieser dezidierte Kritiker des Zuckers eingesteht, dass es beim Zuckerkonsum vor allem auf die Menge ankommt. Ein beiläufig erwähnter Fakt, der auf so ziemlich jeden Stoff zutrifft, den wir zu uns nehmen und der wohl gerade deswegen in der hoch emotionalen Diskussion in den Medien gern unter den Tisch fällt.

Lust auf Süßes liegt in der Natur

Die Lust auf Süßes hat auch noch eine andere Dimension, die in der Berichterstattung oft unerwähnt bleibt. Sie hat uns auch als Gattung Mensch erst den Aufstieg im Wettbewerb der Spezies ermöglicht. Bereits unsere frühesten Vorfahren wussten instinktiv die süße Energie in Kohlenhydraten und anderen Nahrungsbestandteilen für sich zu nutzen. Außerdem wussten sie, dass Süßes ein deutlicher Indikator dafür ist, dass eine Frucht oder eine Beere nicht giftig ist. Heute, wo die Menschen nicht mehr von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf kräftezehrender Jagd sind, ist es wichtig, dass wir ganz bewusst auf ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung achten. In Zeiten einer unbegrenzten Verfügbarkeit von Zucker als schnelle Energiequelle für Gehirn, Muskulatur und Organe muss der Verstand die Kontrolle übernehmen über die Äonen alten Triebe. Dass dies durchaus gelingt, beweist der seit rund vier Jahrzehnten unveränderte durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker in Deutschland.

Nordzucker engagiert sich in unterschiedlichen Projekten, um das Wissen über die Produktion von Lebensmitteln, ausgewogene Ernährung und gesunden Lebensstil vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Denn eins ist klar: Ein Stoff allein kann nicht für Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten verantwortlich gemacht werden.

  • Kristallzucker (Foto)
  • 35 Kilogramm
    Jeder Deutsche verbraucht im Schnitt 35 Kilogramm Zucker pro Jahr.

Wie Werte zu Standards werden

  • Qualitätsmanagerin Birgit Kerner sitzt mit zwei Kolleginnen an einem Tisch (Foto)
  • Qualitätsmanagement ist Teamarbeit. Standort- und länderübergreifend werden regelmäßig QM-Maßnahmen abgestimmt.

Qualitätsmanagement

Mit intelligenten Richtlinien zu konstanter Qualität

Ein Unternehmen wie Nordzucker lebt von der Zufriedenheit der Kunden mit der Qualität der Produkte. Um eine gleichbleibend hohe Qualität unseres Zuckers sicherzustellen, braucht es ein zuverlässiges und leistungsfähiges Qualitätsmanagement. Und natürlich klare Richtlinien, wie Planung, Steuerung und Überwachung der Qualität unserer Produkte und Prozesse umzusetzen sind. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Wie werden unsere Werte zu Standards? Um das herauszufinden, haben wir uns mit Birgit Kerner, der verantwortlichen Qualitätsmanagerin im Werk Nordstemmen, getroffen; sowie im Anschluss zwei ihrer Kolleginnen in Polen und Schweden besucht, um zu erfahren, ob und wie sich deren Arbeit unterscheidet.

Es sind nicht die Normen, es sind die Menschen

Wir treffen uns in einem Konferenzraum in Braunschweig, wo Birgit Kerner gerade einen Termin in anderer Sache hat. Sie ist eine sehr ruhige und beherrschte Frau, die mit leiser, aber sehr eindrücklicher Stimme spricht und das Gesagte mit kurzen, präzisen Gesten unterstreicht.

Birgit Kerner erklärt uns, dass es generell verschiedene Beauftragte für das Qualitätsmanagement gibt. Der Werkleiter legt fest, wer für welchen Bereich zuständig ist. So gibt es unter anderem einen Beauftragten für Umwelt, einen für Arbeitssicherheit, einen Energiemanagement- Beauftragten, einen für das Qualitätsmanagement nach ISO-Normen und einen für Lebensmittelsicherheit. Dies ist als einheitliche Struktur in allen Werken so festgelegt. In Nordstemmen sind die Aufgaben auf zwei Personen verteilt, den Betriebsingenieur André Pollex, zuständig für Umwelt und Arbeitssicherheit, und Birgit Kerner für Produktsicherheit und Qualitätsmanagement. Für beide sind es Aufgaben, die zusätzlich zum normalen Tagesgeschäft anfallen.

Qualität 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche

Wir fragen Birgit Kerner, wie das Labor personell ausgestattet ist. Sie erklärt uns, dass während der Kampagne eine Laborantin für die Warenausgangskontrolle und vier Mitarbeiter im Vierschichtbetrieb arbeiten und 24 Stunden, sieben Tage die Woche erreichbar sind. Beprobt werden alle Zwischenschritte im Produktionsprozess und natürlich der produzierte Zucker, bevor er ins Silo geht. Diese Schichtmuster werden von den Mitarbeitern der Produktion während ihrer Acht-Stunden-Schicht genommen und auf verschiedene Parameter untersucht: Ist es Grundsorte oder ist es Raffinade (Weißzucker 1 oder 2), und entspricht die Qualität den internen Vorgaben? Bei Nordzucker liegen diese Grenzwerte unterhalb derjenigen in der jeweiligen Spezifikation. In Spezifikationen sind die Anforderungen zum Beispiel von Kunden festgelegt, die bei den Lieferungen einzuhalten sind. Dazu gehören Vorgaben zur Körnung und zu Qualitätsparametern wie dem Feuchtigkeitsgehalt, der Farbe in Lösung und auch zur Farbtype, bei der der kristalline Zucker über eine Reflexionsmessung farblich klassifiziert wird. Wenn alle Ergebnisse innerhalb der festgelegten Grenzwerte liegen, geht der Zucker ins Silo und ist dann freigegeben. Natürlich werden die Lieferungen an die Kunden vor Warenausgang noch einmal getestet. Und zwar penibel mit je einer Probe und einem Rückstellmuster aus jeder ausgelieferten Verpackungsform: also für LKW-Lieferungen, für 25-kg- oder 50-kg-Säcke, für 1-kg-Pakete oder für Big Bags mit 1.000kg.

Prüfungsprozess für Kundenlieferungen:

Kleinste Ungenauigkeiten machen einen großen Unterschied

Auf unsere Nachfrage, wie viel Spielraum denn eine Kundenspezifikation lässt, erklärt Birgit Kerner, dass das sehr auf die Produkte ankommt, die der Kunde mit unserem Zucker produzieren will. „Wir haben beispielsweise einen Kunden, der Vanillezucker abpacken möchte. Wenn 10 Gramm in das Tütchen verpackt werden müssen und die Körnung ist zu fein, der Staubanteil also zu hoch, dann geht die Falz nicht zu. Ist er aber zu grob, dann wird das Päckchen zu dick. Kommen die Tütchen dann in entsprechender Menge in einen Umkarton, lässt der sich nicht mehr schließen. Bei solchen, sehr speziellen Vorgaben untersuchen wir eine zusätzliche Vorprobe im Labor und geben das Rezept dann nur für genau diesen Tag frei! Bei anderen Kunden ist der Spielraum nicht ganz so eng.“

Dass all dies nicht ohne sehr detaillierte Richtlinien zu managen ist, leuchtet uns ein. Birgit Kerner pflichtet uns bei: „Deshalb gibt es ausführliche Prozessbeschreibungen, wie wir unsere Warenausgangskontrolle machen, wie im Servicecenter gearbeitet wird, welche Vorschriften eingehalten werden müssen etc. All das ist in unserem Management-Handbuch festgehalten, das wir als zentrales Dokument in einem öffentlichen Ordner abgelegt haben, sodass jeder sich die Formblätter, Spezifikationen, Organigramme, Prozessbeschreibungen und Arbeitsanweisungen herunterladen kann.“

Und wenn doch einmal etwas passiert?

Wir sehen ein, dass ohne ein ausführliches Regelwerk kein professionelles Qualitätsmanagement zu betreiben ist. Doch was, wenn doch einmal etwas passiert?

„Wenn wirklich etwas passiert, dann muss man konsequent handeln! Wir hatten in Nordstemmen zum Beispiel eine Reklamation eines großen Kunden. Wir haben natürlich sofort die Fehlerquelle behoben und auch in allen anderen Nordzucker Werken wurde geschaut, ob der gleiche Fehler passieren kann.“ Sie hält kurz inne, macht dann eine weiträumige Geste: „Eine weitere Konsequenz war, dass seitdem eine zentrale Arbeitsanweisung sicherstellt, dass an allen Standorten gleich verfahren wird, wie oft getestet werden muss, wo und wie getestet werden muss. Das ist ein Produktsicherheitsthema, das den ganzen Konzern betrifft.“

Qualitativ Europaweit auf Augenhöhe

Nach dem ausführlichen Gespräch mit Birgit Kerner sind wir natürlich neugierig, wie das Qualitätsmanagement an unseren anderen Standorten gehandhabt und gelebt wird. Wir treffen uns deshalb mit Hanna Woźniak von Nordzucker Polska, die in Zusammenarbeit mit den werkseigenen Beauftragten verantwortlich ist für das QM beider polnischer Werke, Opalenica und Chełmża. Auf eine erfrischend direkte Art erklärt sie uns, worauf es ihr besonders ankommt. „Praxisnähe!“, so lautet ihr Credo. „Nicht unnötig Papier und Bürokratie produzieren. QM ist ein lebendiger Prozess, er muss leben und gelebt werden. Ein Zuviel an Bürokratie ist eher kontraproduktiv. Gutes, praxisgerechtes QM ist vor allem Prävention!“ Und die funktioniert offensichtlich sehr gut. Nicht von ungefähr zählen große internationale Nahrungsmittelkonzerne zu unseren Kunden in Polen, von Mondelez über Coca Cola bis PepsiCo. Letztere zum Beispiel lassen einmal im Jahr durch ein britisches Unternehmen die Qualitätsstandards und Zertifizierungen von Nordzucker Polska überprüfen und nehmen dazu Einblick in die Qualitätssicherungsmaßnahmen und deren durchgängige Dokumentation. Bedenkt man, dass in den QM-Abteilungen auf Kundenseite in der Regel zehn und mehr Mitarbeiter tätig sind, kann man die Leistung von Hanna und ihren wenigen Kolleginnen und Kollegen gar nicht hoch genug einschätzen.

  • Lina Nelander, Projektleiterin Qualitätsmanagement bei Nordic Sugar (Foto)

    Lina Nelander

  • Unsere Werte Verantwortung, Engagement, Courage und Wertschätzung erinnern uns immer wieder daran, wie wir handeln wollen.

Unsere Werte sind das Rückgrat von allem

Lina Nelander, Projektleiterin Qualitätsmanagement bei Nordic Sugar, Schweden, ist eine von drei verantwortlichen Mitarbeitern im dortigen QM. Ihr Büro hat sie in Arlöv, zuständig ist sie aber für die beiden schwedischen Werke, also Arlöv und Örtofta. Wir treffen sie zwischen zwei Terminen und kurz vor dem jährlichen, konzernweiten QM-Meeting, wo sie all die Kolleginnen und Kollegen aus dem Qualitätsmanagement persönlich trifft, mit denen sie übers Jahr meist nur telefoniert oder mailt. Für Lina Nelander sind die vier Unternehmenswerte „Verantwortung“, „Engagement“, „Courage“ und „Wertschätzung“ ein wichtiges Werkzeug, um auf allen Ebenen des Unternehmens das Qualitätsbewusstsein zu stärken und immer wieder neu ins Gespräch zu bringen, denn „sie erinnern uns immer wieder daran, wie wir handeln wollen.“ „Engagement“ ist, wie sie lächelnd gesteht, ihr Lieblingswert. Wir glauben es ihr unbesehen. Wer wie sie jährlich an sechs Reference Group Meetings für Produktsicherheit teilnimmt, in denen Entscheidungen zur Vereinheitlichung von QM-Maßnahmen im Konzern abgestimmt werden, dazu vier- bis sechsmal jährlich an QM-Projektmeetings, der muss einfach mit ganzem Herzen bei der Sache sein. Wobei Lina Nelander einen Aspekt ihres Berufs ganz besonders zu schätzen weiß, wie sie uns abschließend gesteht: „Was ich wirklich liebe an meinen Aufgaben, ist die Möglichkeit überall im Werk unterwegs zu sein, alles mitzubekommen, auch einmal mit eigenen Händen anzupacken und zugleich mit vielen verschiedenen Kolleginnen und Kollegen zu reden und gemeinsam daran zu arbeiten, dass wir zu einem einzigen, großen Unternehmen zusammenwachsen. Das ist wirklich schön.“ Und genau das scheint uns dann auch das verbindende Element zu sein, das allen Qualitätsmanagern zu eigen ist, mit denen wir gesprochen haben.

Die besonderen Qualitäten von Qualitätsmanagern

Nicht jeder ist zum Qualitätsmanager berufen. Man muss konsequent sein, stetig in seinen Aussagen und vor allem beharrlich. Man darf keine Skrupel davor haben es klar zu sagen, wenn etwas schiefläuft. Man braucht ein Händchen dafür, wie man etwas vermittelt. Und natürlich muss Qualität gelebt werden. Da kommen dann unsere Unternehmenswerte wieder ins Spiel. Vor allem aber – und für diese Erkenntnis sind wir allen unseren Gesprächspartnerinnen besonders dankbar – vor allem muss man von Anfang an Qualität im Kopf haben!

ISO 22000

Als weltweit gültiges Managementsystem für Lebensmittelsicherheit soll die internationale Norm ISO 22000 die Flut der Einzelstandards minimieren.

Kundenorientierung und Dialogbereitschaft

  • Dr. Volker Diehl (Foto)

    Dr. Volker Diehl

  • Erik Bertelsen (Foto)

    Erik Bertelsen

  • Ingo Saß (Foto)

    Ingo Saß

Vertrieb

Warum gute Kundenbeziehungen essentiell für uns sind

Unser Geschäft zeichnet sich durch einen hohen Prozentsatz an Kunden aus der Lebensmittelwirtschaft und einen geringeren an Handelskunden aus. Was verbindet uns mit ihnen? Wie gehen wir mit ihnen um? Und wie muss heute überhaupt eine Kundenbeziehung beschaffen sein, damit beide Seiten davon profitieren?

Da dies niemand besser beurteilen kann als der Vertrieb, haben wir unsere Vertriebsverantwortlichen zum Interview gebeten. Sie berichten aus erster Hand: Dr. Volker Diehl , Erik Bertelsen und Ingo Saß.

Nordzucker: Was charakterisiert unsere Kunden in Zentraleuropa, Nordeuropa und Osteuropa? Gibt es Unterschiede?

Dr. Volker Diehl: Ich würde keinen Unterschied machen zwischen Kunden im Norden, Süden, Osten oder Westen. Wir vermarkten ein Produkt. Das Paket muss überall stimmen und auf einem gleichen Niveau sein. Das ist auch die Aussage der großen Einkäufer bei unseren Kunden. Es ist sicher eine unserer Stärken – nicht nur in Osteuropa – dass wir ein Gesamtpaket verkaufen. Die Anteile von Industrie- und Retailkunden sind allerdings verschieden: In der Region Osteuropa ist das Verhältnis etwa 60 zu 40. Was die Kunden der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie betrifft, so beobachten wir in Osteuropa eine Zunahme multinationaler Kunden, die hier auch produzieren. Speziell in Polen. Das bietet uns Wachstumspotenzial. Ein gutes Produkt zum wettbewerbsfähigen Preis anzubieten – das kann noch nicht jeder! Im Retailbereich dominiert in Osteuropa noch Normalzucker, Kategorie 2. In Deutschland beispielsweise wird vorwiegend Haushaltsraffinade über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft.

Ingo Saß: In Deutschland haben wir etwa 80 bis 85 Prozent industrielle Verwender, der Rest ist der Handel und damit die Privathaushalte. Unser Zucker ist grundsätzlich ein qualitativ hochwertiges Produkt mit einer großen Sortimentsbreite und -tiefe. Wir bedienen drei unterschiedliche Marktsegmente: die multinationalen Einkäufer von Coca Cola bis Ferrero, die lokale Lebensmittelwirtschaft und dann natürlich den gesamten Retailmarkt. Insgesamt haben wir einen gesättigten Markt mit recht stabilen Preisen, der allerdings seit Jahren stagniert.

Erik Bertelsen: Unser Zucker ist überall ein qualitativ sehr hochwertiges Produkt, um das wir eine ganze Reihe von Dienstleistungen gruppieren. Das ist unsere Stärke. Was Nordeuropa und Irland angeht, so sehen wir hier ebenso wie im deutschen Markt eine große Differenz zwischen Industrie- und Einzelhandelsbedarf, d. h. etwa 80 Prozent entfallen auf Industriekunden, während es in den baltischen Ländern etwa 45 – 60 Prozent sind. Die verschiedenen Länder stellen ganz unterschiedliche logistische Anforderungen an uns. Dänemark zum Beispiel ist ein kleines Land mit überschaubaren Distanzen. In Schweden oder Norwegen hingegen haben wir sehr lange Transportwege, was unterschiedliche logistische Anforderungen mit sich bringt. Und natürlich gibt es gewisse Unterschiede im Kundenverhalten. In den baltischen Ländern oder in Finnland ist es Tradition, große Mengen Beeren zu sammeln und zu Konfitüren zu verarbeiten oder einzukochen. Beides zuckerintensive Konservierungsmethoden. Die Nachfrage nach Gelierzucker ist also sehr hoch. In Schweden süßen die Bäckereien und Großbäckereien traditionell das Brot mit Sirup. Darauf haben wir uns eingestellt und ein breites Angebot entwickelt. Unseren Industriekunden bieten wir maßgeschneiderte Lösungen an, den Verbrauchern machen wir mit interessanten Rezepten Lust auf unsere Produkte.

Nordzucker: Welche Rolle spielt Qualität für unsere Kunden aus der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie?

Saß: Qualität und Produktsicherheit haben einen hohen Stellenwert. Unsere Kunden investieren hohe Summen in ihre Marken. Das setzt auf unserer Seite höchstmögliche Qualität und Produktsicherheit voraus.

Diehl: Absolut. Stabile Qualität übers Jahr ist das Entscheidende. Das muss einfach funktionieren. Unsere Kunden legen Wert auf Just-in-Time-Lieferung, konstante Qualität nach ihren individuellen Spezifikationen und natürlich Kosteneffizienz.

Bertelsen: Qualität ist sehr wichtig. Nicht nur die konstant hohe Qualität unserer Produkte, sondern auch die Qualität dessen, was wir oben drauf packen an Service und Dienstleistungen. Nicht zuletzt geht es auch darum, unsere Kunden zu inspirieren und dafür zu sorgen, dass sie sich bei allen Fragen zur Süße an uns wenden und unsere Kompetenz in Bezug auf die Weiterentwicklung bestehender Produkte und das Entwickeln neuer Produkte erkennen und vor allem nutzen.

In den Regionen Nord- und Zentraleuropa macht das Geschäft mit Kunden der Lebensmittelwirtschaft etwa

80 Prozent

aus. In Osteuropa sind es rund 60 Prozent. Dort wird noch mehr Zucker im Haushalt verbraucht.

Nordzucker: Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit für unsere Kunden?

Diehl: Eine immer größere Bedeutung. Vordergründig sind wir zwar „nur“ Lieferant eines Rohstoffes. Aber was wir vermarkten, ist ja auch ein Servicepaket. Beratung, sich gemeinsam Prozessabläufe anzuschauen, Nachhaltigkeit, Transparenz, Rückverfolgbarkeit, all das müssen wir mitliefern.

Saß: Vor allem darf man nicht vergessen, dass gerade die global agierenden großen Marken der Ernährungswirtschaft im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Sie müssen Transparenz und Rückverfolgbarkeit nachweisen. Das ist sicher bei Palmöl oder Kakao schwieriger als bei einem Commodity wie unserem Zucker. Aber auch wenn unsere Rohware in die niedrigste Risikokategorie der Top Brands fällt, müssen wir unsere Prozesse transparent und nachverfolgbar machen für unsere Kunden.

Bertelsen: Die Bedeutung von Nachhaltigkeit ist zum Teil aufgrund der Globalisierung sowie der hohen Medienaufmerksamkeit deutlich gestiegen. Sowohl Industriekunden als auch der Einzelhandel legen zunehmend Wert auf diese Themen. So sind zahlreiche Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit sehr ambitioniert und nutzen dies aktiv für den Aufbau ihrer starken Marken sowie für ihr Unternehmensprofil.

Schlussendlich ist es jedoch der Verbraucher, der die Anforderungen an die Lebensmittelhersteller und den Einzelhandel bestimmt. Wir müssen mit allen betroffenen Parteien einen intensiven Dialog aufrechterhalten, um unsere Systeme und Prozesse fortlaufend weiterzuentwickeln und so den wechselnden Anforderungen gerecht zu werden.

Diehl: Ja, denn am Ende des Tages lautet die Frage: Was qualifiziert mich als Prioritätslieferant und nicht meinen Mitbewerber? Alle unsere großen Kunden haben sich öffentlich verpflichtet, ihre Rohstoffe bis 2020 überprüfbar, transparent einzukaufen. Das bedeutet, dass wir unseren Rübenbauern kommunizieren müssen, dass eine durchgängige Dokumentierbarkeit der gesamten Zuckerproduktionskette auch in ihrem Interesse liegt. Da sind wir sicher einer der ersten in der Branche und können uns damit auch vom Wettbewerb weiter differenzieren.

Nordzucker: Was sind denn die Serviceleistungen, mit denen wir uns abheben?

Bertelsen: Ich denke, der Dialog mit dem Kunden ist der Schlüssel zu allem. Das entspricht auch unserer Rolle als bedeutender Spieler im Markt. Niemand weiß mit Sicherheit, wie die Entwicklung nach 2017 aussieht. Wir können uns Szenarien ausdenken, sicher, vor allem aber müssen wir in den Dialog mit den Kunden eintreten und hier unser Wissen und unsere Kompetenz einbringen. Wir müssen mehr denn je vom Markt her denken. Es geht darum, den Kunden den Zucker zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Qualität zu liefern. An die Anforderung müssen wir die gesamte Prozesskette ausrichten.

Diehl: Richtig. Und wir müssen uns an die Prozesse der Kunden anpassen, die mittlerweile so schlank sind, dass das praktisch ein Just-in-Time-Geschäft ist. Es gibt Fabriken, die im Jahr 80.000 Tonnen Zucker verarbeiten. Mit nur geringen Lagerkapazitäten. Da müssen wir logistisch so exakt takten, dass das reibungslos funktioniert. Auch unser Know-how im Transportieren von Zucker unterschiedlicher Körnungen mit Pumpen, Röhren etc. ist für unsere Kunden hilfreich. Wir wissen, wie man Zucker optimal lagert. Auch da können wir den Kunden unterstützen. Ebenso in der Anwendungstechnik. In Zeiten, wo die großen Unternehmen über Alternativen und die Reduktion von Kalorien nachdenken, sind wir auch da gefordert: Wir haben Kompetenz in Süße, wir können abschätzen, wie Süßstoffe miteinander reagieren und welchen Effekt dies auf das Endprodukt hat. Siehe auch Stevia.

Saß: Richtig. Einhaltung unterschiedlichster Qualitätsstandards wie IFS, halal, lieferbegleitende Dokumentationen und Zertifikate, kundenindividuelles Labeling, all das ist wichtig. Und natürlich müssen wir uns logistisch auf die unterschiedlichsten Anforderungen unserer Kunden einstellen. Wir sind gewissermaßen das rollende Lager unserer Kunden. Kooperation, Dialog, proaktiv aufgreifen, was unsere Kunden bewegt, das ist der richtige Weg. Diesen Weg haben wir als Nordzucker schon gut begonnen, müssen ihn aber weiter verfolgen und ausbauen.

Gabelstapler fahren durch eine Lagerhalle (Foto)

Mit exakt getakteter Logistik unterstützen wir unsere Kunden in der Optimierung ihrer Produktionsprozesse.

Nordzucker: Wie bereiten wir uns im Vertrieb auf die Zeit nach 2017 vor?

Diehl: Indem wir die beschriebenen Themen auch in der Öffentlichkeit platzieren. Wir müssen den Kunden zuhören. Und wir müssen ernst nehmen, was man uns sagt. Wir sind ja derjenige, der die Informationen von den Märkten aufnimmt und an die Kunden weiterspielt, in ihre Prozesse einbringt. Da übt der Vertrieb sicher eine wichtige Funktion aus.

Saß: Wir sind dabei, Szenarien und Vermarktungsstrategien zu entwickeln für die Zeit nach 2017. Da gibt es verschiedene Arbeitsgruppen. Wir denken über neue Modelle nach. Wir versuchen uns als gesamtes Unternehmen möglichst gut darauf vorzubereiten. Vor allem glauben wir an einen freien Markt und tun alles, um uns stark im Wettbewerb zu positionieren.

Bertelsen: Wir müssen uns noch stärker an unseren Kunden orientieren: Was sind die Bedenken des Kunden bezüglich 2017 und was können wir unsererseits dazu beitragen, welches Paket können wir für ihn schnüren?

Nordzucker: Wie sieht das auf Seiten der Kunden aus, wird da schon über die Zeit nach 2017 nachgedacht?

Diehl: Ja, sicher wird da bereits an Strategien gearbeitet. Große Einkäufer versuchen natürlich generell auch, die Anzahl ihrer Lieferanten zu reduzieren, sich auf wenige Hauptlieferanten zu konzentrieren, vielleicht zwei oder drei. Deswegen wird schon genau hingeschaut, wie entwickelt sich das. Wie ist die langfristige Zukunftsperspektive der Lieferanten, kann ich mit denen lange zusammenarbeiten. Da geht es um Zuverlässigkeit und Planbarkeit.

Saß: Da haben wir als Nordzucker AG sicher sehr gute Karten in einem Markt, der auf Konsolidierungskurs ist. Auch und gerade nach 2017. Wir sind eine starke Nummer 2. Wir sind ein Player, der auch in zehn Jahren noch eine wichtige Rolle am Markt spielt.

Bertelsen: Es werden sich für alle Beteiligten eine Menge neuer Möglichkeiten ergeben. Was wir aber auch tun sollten, ist, die Entwicklung von der Kundenseite zu betrachten. Einen offenen Dialog mit den Kunden führen. Wir sind die Experten. Wir haben unsere Szenarien. Aber es gibt so viele Variablen in diesem Spiel, dass derzeit weder unsere Kunden noch wir verlässliche Prognosen abgeben können, wie die Entwicklung nach 2017 aussehen wird. Verlässlichkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit werden neben dem Preis auch nach 2017 die Kriterien sein, nach denen unsere Kunden ihre Lieferanten bewerten und auswählen. Und da werden wir ganz vorne mitspielen.